Atomstrom – er gilt seit mehr als fünf Jahrzehnten als besonders preiswert herzustellender Strom, der noch dazu kaum CO2 ausstößt, wie dies etwa bei Kohlekraftwerken der Fall ist. Das hört sich auf den ersten Blick alles sehr positiv an. Dennoch überwiegen die Nachteile beim Atomstrom, denn diese Form der Stromerzeugung ist äußerst gefährlich. In Deutschland stammen knapp 30 Prozent der erzeugten Energie aus Atomkraftwerken. Weltweit hingegen sind es nicht einmal drei Prozent. Somit ließe sich Atomstrom eigentlich sehr gut durch alternative Energien ersetzen. Das Problem sind die Kosten. Doch auch hier könnten ohne Probleme Nachbesserungen getroffen werden.
Schaut man sich einmal an, warum Atomstrom so günstig ist, werden manch einem die Haare zu Berge steigen. Der Bau eines Atomkraftwerks wird staatlich subventioniert. Ebenfalls werden die Betreiber solcher Kraftwerke von der Haftpflichtversicherung befreit. Eine Steuerbefreiung ist ebenfalls üblich. Da ist es keine Kunst, günstigen Strom zu liefern. Und dennoch kann nach aktuellen Untersuchungen kein Atomkraftwerk dieser Welt wirtschaftlich arbeiten, wenn denn tatsächlich einmal sämtliche Kosten, auch die für die Endlagerung des Atommülls, mit eingerechnet werden.
Atomstrom wird in aller Regel aus Uran gewonnen. Das Uran ist allerdings ein sehr knapper Rohstoff, der in etwa 50 bis 60 Jahren zur Neige gehen wird. Die Ressourcen sind dann aufgebraucht, das Ende des Atomstroms ist somit quasi vorprogrammiert. Umso unverständlicher ist es, dass immer weiter in diese Form der Stromerzeugung investiert wird.
Die Uranstäbe werden bei der Erzeugung von Atomstrom eingesetzt. Der Strom entsteht, wenn die Atomkerne des Urans gespalten werden. Hierfür wird frisches Wasser benötigt. Bei einer Kilowattstunde Atomstrom liegt ein Wasserverbrauch von 50 Liter vor. Damit ist eine weitere Ressource durch die Erzeugung von Atomstrom gebunden. Außerdem entsteht durch die Spaltung der Atomkerne Plutonium, ein hochgiftiger Stoff. Dieser wird auch beim Bau der Atombombe verwendet.
Seit mehr als 50 Jahren wird Atomstrom hergestellt. Im Laufe dieser Zeit wurden die Sicherheitsanforderungen, die Atomkraftwerke erfüllen müssen, immer weiter angehoben. Trotz Nachrüstungen in diesem Bereich können viele ältere Anlagen die aktuellen Sicherheitsbestimmungen nicht erfüllen. Dennoch werden sie nicht abgeschaltet, sondern munter weiter betrieben.
Insofern ist es auch kein Wunder, dass es täglich zu Störfällen in den Atomkraftwerken kommt. Diese Störfälle sind häufig zwar nicht so bekannt geworden, wie der Super-GAU, der einst in Tschernobyl stattfand und an dem mehrere Tausend Menschen sofort gestorben sind, viele verstrahlt wurden und noch heute die Nachwirkungen der Katastrophe zu sehen sind. Dennoch gibt es diese Störfälle und sie zeigen deutlich, wie unsicher der Atomstrom eigentlich ist.
Ein weiteres Problem der Atomkraftwerke: Selbst im normalen Betrieb leiten sie Strahlung weiter. Die radioaktive Strahlung der Atomkraftwerke ist besonders gefährlich. Bereits ein Millionstel Gramm des Elements Plutonium, das eingeatmet wird, kann zu Krebs führen. Dennoch werden schon im normalen Betrieb der Atomkraftwerke Strahlungen über die Abluft und das Abwasser an die Umwelt abgegeben.
Der Atommüll
Ebenfalls problematisch ist die Sache mit dem Atommüll. Die Halbwertzeit von Uran kann, je nach Zusammensetzung, bis zu 4,468 Milliarden Jahren andauern. Das heißt, dass erst nach Ablauf dieser unvorstellbaren Zeitspanne die Hälfte des Elements abgebaut wurde. Plutonium kann dagegen Halbwertszeiten bis zu 80 Millionen Jahren aufweisen. Beide Größen sind unvorstellbar lange und bedeuten, dass es unklar ist, ob in dieser Zeit noch Menschen auf der Erde existieren werden.
Der Atommüll ist stark strahlend. Er kann kaum sicher untergebracht werden. Derzeit wird so vorgegangen, dass der Atommüll in Aufbereitungsanlagen transportiert wird. Dort wird er aufbereitet, so dass einige Stoffe wieder aus ihm gewonnen werden können. Der Rest wird in Stahl eingeschmolzen und in Behältern aus Gusseisen, den so genannten Castoren, verwahrt. Diese dienen als Transport- und Lagerbehälter.
Die bekannten Castor-Transporte, die quer durch Europa führen (Aufbereitungsanlagen für deutschen Atommüll liegen oft in Frankreich und England), werden zwar bekämpft, doch ist es bisher trotz massiver Widerstände nicht gelungen, die Castor-Transporte zu stoppen. So wird der Atommüll erst einmal in die Aufbereitungsanlagen transportiert, dann wieder zum Atomkraftwerk, von dem er stammt. Nun muss er noch gelagert werden. Als Zwischenlager werden derzeit alte Minen verwendet, die nicht mehr genutzt werden. Doch diese gelten nicht als Endlager, das die Strahlung völlig von Mensch und Tier isolieren kann. Ein Endlager ist weltweit noch nicht erstellt worden, es ist nicht einmal möglich, ein solches Endlager, das den strahlenden Atommüll tatsächlich isolieren kann, zu erbauen.
Diese Zwischenlager können in der Regel für einige Jahrzehnte verwendet werden. Ein Endlager hingegen müsste über Millionen von Jahren betrieben werden, damit die Strahlengefahr gebannt werden kann. Trotz dieser enormen Gefahren spricht man sich immer wieder für Atomstrom aus. Wer dies tut, verschwendet keinen Gedanken an die Nachwelt, befasst sich nicht mit den Gefahren des Atomstroms und der Lagerung des Atommülls. So kann eine Welt wohl kaum den Nachkommen übergeben werden. Statt die Herstellung von Atomstrom mit Milliarden zu fördern, sollten diese Gelder lieber in die Entwicklung regenerativer Energien gesteckt werden. Auch hier können Förderungen helfen, den Strom bezahlbar zu machen und die Umwelt langfristig zu entlasten.
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